Amber & The Moon - Things We’Ve Got In Common

photocredit: Heiko Ritt

Willkommen in der Welt der Mystik und Melancholie. In einem Wechselbad von Schwere und Leichtigkeit sucht die Band um Ronja Pöhlmann ihren Weg in den Folklore Himmel. Die Spanne reicht von federleichten Klangperlen bis hin zur novembergrauen Trostlosigkeit.

Begonnen hat das Abenteuer als Soloprojekt von Songwriterin Ronja Pöhlmann. Gitarrist und Sänger Jonathan Riedel sowie Schlagzeuger Torben Sdunek schlossen sich ihr an und schufen so den neuen Sound der Band. Und obwohl die Stimmlage und Klangfarbe unverkennbar die gleiche geblieben ist, ist durch die Herren ein frischer Wind in die Musik eingezogen. Die Waage kippt von Schwermut zu Hoffnung und verträumt balancieren die drei auf ihr herum. Die Klangperle El Dorado ist ein gutes Beispiel hierfür. Ist in ihrer Debütsingle noch der dunkelste Melancholie Ton federführend, überrascht in der Neuauflage ein Country würdiges Gitarrensolo das Ohr. Auch ein schönes Ergebnis ist die Kombination von Riedel und Pöhlmanns Gesang. Beide haben diese nüchterne Ernsthaftigkeit in ihren Stimmen, beide lassen ihre Emotionen nur ganz zart hervorleuchten. Wirklich laut wird es auf dem Album nie, dafür sind alle Nuancen von sanft vertreten.

There is a place I go when it’s quiet

‘Things We’ve Got In Common’ erzählt in neun Songs von geheimen Orten, Träumen und dem Schicksal. Dabei wirkt alles ein wenig entrückt, wie aus der Zeit gefallen, dafür zeitlos. Die eindringliche Atmosphäre, die die drei erschaffen ist sehr eindrucksvoll.

Die Entstehung des Albums ist genauso spannend wie das Ergebnis. Zusammen mit ihrem Produzenten Ben Schadow schlossen sich Amber & the Moon im letzten Winter in einer alten Hütte an der stürmischen Nordsee ein. Für zwei Wochen wurde es ihr mobiles Studio. Im Frühling ging es dann zum Aufwärmen und für weitere Aufnahmen an die Küste Faros in Portugal. Ambientes Recording par excellence, analog abgeschlossen im Studio Nord in Deutschland.

While Everything Else Was Quiet - eine meiner Liebslingsperlen - spiegelt diese spannende Klanglandschaft aus rauem Norden und sanften Süden perfekt wider. Es ist ein musikalisches Outro, das wie ein Manifest daherkommt. Hier findet sich das gesamte Kaleidoskop ihrer Möglichkeiten. Apropos Kaleidoskop:

Obwohl jedes Lied dieses Albums seine eigene Geschichte erzählt, hängen sie doch alle miteinander zusammen. Es ist wie der Blick durch ein Kaleidoskop: Meine Texte sind sehr persönlich, doch je nach dem wie das Licht fällt, vermag jeder sich selbst darin zu erkennen”, so Ronja.

Und Geschichten erzählen können sie. An manchen Stellen wirkt das Album sehr intim und zerbrechlich, nur um dann wieder in die Tiefe und Vielschichtigkeit der cineastischen Klanglandschaft einzutauchen. Ein warmes Licht prägt das gesamte Album - als Farbe wäre es bernstein-rosa. Das Prädikat wertvoll gehört noch zur den beiden Singles Morpheus und Her Ghost. Während Her Ghost mit einem wunderbaren hellen Gitarrenspiel beginnt, das an Tänze von Glühwürmchen erinnert, ruft Morpheus ein Fernweh in mir wach, das von Reisen in anderen Welten spricht. Ab der Hälfte dieser Klangperle beglückt uns das Gitarrenspiel wie der Ruf zurück in eine ferne Welt. Entstanden ist es in einer dieser schlaflosen Nächte, in der uns Mond und Gedanken wachhalten.

Put me back to sleep, Morhpeus, besingt Ronja den Gott des Traumes und ich kann ihr nur zustimmen. Wer will bei so traumhaften Klangperlen schon aufwachen?

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